Es kommt häufig vor, dass das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund nicht so verläuft, wie sich der Mensch das erhofft hat. Hundeschulen versprechen da einen Ausweg. Der Gedanke ist: Die Hundetrainerin oder der Hundetrainer weiß schon, wie es geht. Wir buchen mal zwei, drei Stunden, und das Problem hat sich in einigen Wochen erledigt.
Wenn ich dann im Orientierungsgespräch Fragen stelle, die gar nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben, sind Menschen häufig erst mal irritiert. Was hat der Tagesablauf des Hundes damit zu tun, dass der Hund an der Leine zieht? In meiner Welt des Hundetrainings und aus meiner Sicht eine ganze Menge.
In diesem Artikel möchte ich dir einen Einblick in meine Arbeit geben, die nicht erst am Problem beginnt, sondern schon einige Schritte früher. Zum besseren Verständnis habe ich dir zwei Praxisbeispiele mitgebracht. Wenn du außerdem skeptisch bist und dir die Frage stellst, ob Online-Hundetraining funktionieren kann: Ich erkläre dir die Vorteile des Online-Trainings und wie das Training bei mir abläuft.
Training in einer klassischen Hundeschule
Wenn du dich dafür entschieden hast, eine Hundeschule zu besuchen, ist der Ablauf meist folgendermaßen:
Du buchst zunächst eine Gruppenstunde. Zum Termin packst du deinen Hund ins Auto und fährst zum Trainingsplatz. Dort warten bereits mehrere Mensch-Hund-Teams darauf, dass die Stunde beginnt. Es wird direkt an bestimmten Themen gearbeitet, wie Leinenführigkeit, Sitz, Platz, Bei-Fuß-Gehen oder Rückruftraining. In Gruppenstunden sind meist nicht die Kapazitäten vorhanden, um auf das individuelle Mensch-Hund-Team und seine Bedürfnisse näher einzugehen.
Der Nachteil an dieser Art des Trainings: Hunde lernen kontextbezogen. Deshalb passiert es sehr häufig, dass der Hund, wenn er die Übung in seiner gewohnten Umgebung umsetzen soll, plötzlich alles „vergessen“ hat. Aber das ist kein Vergessen, sondern eine Verknüpfung. Der Hund hat die Übung mit dem Hundeplatz in Verbindung gebracht und kann sie nicht in den Alltag übertragen, wenn nicht an verschiedenen Orten geübt wird. Außerdem wird bei dieser Art des Trainings häufig die Ursache des Problems außer Acht gelassen. Man konzentriert sich stattdessen eher auf reine Trainingstechniken.
Wie ich Hundetraining gestalte
Je nachdem, welches Trainingsangebot du bei mir gebucht hast, beginnt das Training zunächst mit einem Orientierungsgespräch oder mit einem Fragebogen. Neben dem Thema, an dem du mit deinem Hund arbeiten möchtest, interessieren mich vor allem folgende Fragen:
- Hintergrund: Wie alt ist dein Hund, welcher Rasse gehört er an und woher kommt er?
- Kontext: Wie verhält sich der Hund in bestimmten Situationen? Was passiert vor, und nach dem Verhalten?
- Umwelt: Wie verhält sich der Hund allgemein in der Umwelt? Wie nimmt er sie wahr
- Gesundheit: Wann wurde der Hund zuletzt von einem Tierarzt untersucht Gibt es irgendwelche Vorerkrankungen?
Anhand der Antworten mache ich mir ein Bild und bitte die Menschen meistens, mir ein bis zwei kurze Videos zu schicken, damit ich mir von dem Hund und seinem Umfeld ein erstes Bild machen kann. Danach arbeite ich das Training aus und bespreche das mit den Hundehaltern.
Beispiel 1: Wenn dein Hund dich durch die Gegend zieht
Stell dir vor, du kommst zu mir ins Training, weil dein Hund an der Leine zieht. Er läuft mal links, mal rechts, mal Kreuz, mal quer. Du hast das Gefühl, er möchte überall gleichzeitig sein, nur nicht bei dir. Meistens ist die Aufregung schon riesig, bevor ihr überhaupt das Grundstück verlassen habt. Draußen angekommen, gehst du vielleicht unbewusst selbst ein wenig schneller, weil der Zug des Hundes für dich maximal unangenehm bis schmerzhaft ist und du dieses Gefühl abmildern möchtest. Dabei gibst du deinem Hund – unabsichtlich – kaum die Möglichkeit, in Ruhe zu schnüffeln und seine Umwelt zu erkunden. Im klassischen Gruppenunterricht würdest du vermutlich jetzt lernen, wie du die Leine richtig hältst, dass du sofort stehen bleiben sollst, sobald dein Hund zieht, oder dass du die Richtung wechseln sollst.

In meinem Training schauen wir uns erst einmal die Hintergründe an. Durch unser Gespräch und deine Videos stellen wir beispielsweise fest, dass dein Hund schon zu Beginn des Spaziergangs schlichtweg überfordert ist. Die hohe Erregung sorgt dafür, dass er sich gar nicht konzentrieren kann. Vielleicht hat er auch gelernt, dass er nur durch Zug an sein Ziel (den nächsten Grashalm) kommt. Bevor wir also beginnen, an der Leinenführigkeit zu arbeiten, ist der erste Schritt, erst einmal Ruhe in den Hund zu bringen. Hierzu gibt es unterschiedliche Wege. Erst wenn dein Hund gelernt hat, beim Start des Spaziergangs gelassener zu sein, beginnen wir damit, zunächst in einer ablenkungsfreien Umgebung die Leinenführigkeit neu aufzubauen.
Beispiel 2: Dein Hund kommt nicht zurück
Du würdest deinen Hund so gern frei laufen lassen, doch das geht nicht, weil dein Hund den Weg zu dir zurück nicht mehr findet. Du hast schon so viel probiert, aber sobald du die Leine vom Geschirr abgemacht hast, stellt dein Hund seine Ohren scheinbar auf Durchzug. Beim ersten Video sehe ich einen Hund, der in seine eigene Welt abgetaucht ist. In dieser Phase kann der Hund das Rückrufsignal gar nicht wahrnehmen, selbst wenn er es wollte. Der erste Trainingsschritt ist also hier nicht der Aufbau eines Rückrufsignals, sondern das Erlernen der freiwilligen Aufmerksamkeit dir gegenüber. Erst wenn dein Hund gelernt hat, sich freiwillig, auch bei Ablenkung, zu dir umzuorientieren, beginnen wir mit dem Aufbau eines Rückrufsignals.
Online-Hundetraining: Warum der Bildschirm kein Hindernis ist
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und mit Vorurteilen und Kritik gegenüber Online-Hundetraining aufräumen. Insbesondere viele Hundetrainer:innen der „alten Schule“ behaupten, Online-Hundetraining würde nichts bringen oder sei sogar unseriös. Meine Erfahrung zeigt jedoch genau das Gegenteil. Hier möchte ich dir einige Vorteile aufführen, die Online-Hundetraining bietet und die nicht von der Hand zu weisen sind.
Ortsunabhängiges Training online ist für mich kein Notbehelf. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, und das hat folgende Gründe:
- Zeit- und ortsunabhängig: Lediglich die Termine unserer Zoom-Treffen stehen fest. Ansonsten bist du an keine Zeit und an keinen Ort gebunden. Du kannst also mit deinem Hund die Übungen umsetzen, wann und wo du möchtest.
- Schlechtes Wetter? Dem Computer ist’s egal: Stell dir vor, Petrus hat mal wieder schlechte Laune und beschert uns reichlich Regen oder sogar starken Wind. Doch eigentlich ist Trainingsstunde. Wenn du Online-Hundetraining gebucht hast, ist das gar kein Problem. Du machst es dir drinnen mit einem Kaffee vor dem Bildschirm gemütlich, und wir unterhalten uns über Zoom oder trainieren live vor der Kamera.
- Leichteres Lernen: Hundetraining bedeutet hauptsächlich Lernen für den Menschen. Doch Lernen fällt schwer, wenn du dich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren musst. Du sollst verinnerlichen, was die Trainerin sagt, und musst gleichzeitig auf deinen Hund sowie auf Dinge, die in der Umwelt passieren, achten. Dadurch kannst du schnell den Überblick verlieren.

Bei mir bekommst du Anleitungen in Textform und Videos, kannst diese in Ruhe verinnerlichen und dann mit deinem Hund in die Praxis umsetzen. Du schickst mir die Videos, zu denen ich dir direktes Feedback gebe, oder wir schauen sie uns im nächsten Zoom-Meeting gemeinsam an. Ich stehe zwischen den Trainingsterminen immer auch per WhatsApp für dich zur Verfügung.
Perspektivwechsel: Fünf Fragen für deinen nächsten Spaziergang
Ich möchte dich einladen, beim nächsten Mal, wenn die Leine spannt oder dein Ruf ungehört verhallt, kurz innezuhalten. Versuche, die Welt für einen Moment durch die Augen deines Hundes zu sehen und dir folgende Fragen zu stellen:
- Was empfinde ich gerade am anderen Ende der Leine? Fühlt sich mein Körper angespannt oder gestresst an? Drängt mich etwas nach vorne, dem ich körperlich kaum ausweichen kann?
- Kann ich in diesem Moment überhaupt zuhören? Ist die Welt um mich herum gerade so laut, spannend oder beängstigend, dass für ein Signal von meinem Menschen in meinem Kopf schlicht kein Platz ist?
- Was sagen mir die leisen Signale? Wenn mein Mensch ruckt oder schimpft, lecke ich mir kurz über die Lippen oder blinzle ich vermehrt? Diese feinen Zeichen sind meine Art zu sagen: „Das ist mir gerade zu viel, ich versuche mich gerade selbst zu beruhigen.“
- Warum fällt es mir schwer, mich umzudrehen? Liegt es wirklich daran, dass ich nicht kommen will, oder habe ich einfach noch nicht gelernt, wie ich mich in dieser aufregenden Umwelt an meinem Menschen orientieren kann?
- Was bewirkt der Druck bei mir? Macht mir ein Leinenruck oder ein lautes Wort Angst, oder hilft es mir wirklich, zu verstehen, was von mir erwartet wird?
Schlusswort: Der erste Schritt vor dem zweiten
Hundetraining ist für mich weit mehr als das bloße Erlernen von Signalen. Es ist ein gemeinsamer Reifeprozess. Es geht darum, eine Basis aus Vertrauen und gegenseitigem Verständnis zu schaffen, auf der wirkliche Veränderung erst möglich wird.
Egal, ob wir uns live vor Ort oder im geschützten Raum des Online-Trainings begegnen: Mein Ziel ist es, dass du lernst, deinen Hund wirklich zu lesen und zu verstehen. Wir nehmen den Druck raus, schauen uns die Ursachen an und erarbeiten uns Schritt für Schritt einen entspannten Alltag. Denn oft liegt die Lösung nicht in der nächsten Trainingstechnik, sondern in dem Mut, noch einmal ganz von vorne hinzuschauen.