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Ziehen an der Leine, das steckt dahinter

von | 26.04.2024

Im Lauf meiner inzwischen mehr als 13 Jahre, in denen ich mit Hunden lebe, habe ich natürlich viele Hundehalter:innen kennengelernt und gesprochen. Nahezu alle mussten sich früher oder später der Herausforderung Leinenführigkeit stellen. Die größte Schwierigkeit war, dass der Vierbeiner zog wie ein Wahnsinniger und manchmal auch währenddessen immer wieder die Seite wechselte. 

Auch ich hatte in meiner Anfangszeit mit Rica oft das Gefühl, ein Jo-Jo an einer Hundeleine zu haben und kam mir machmal dabei reichlich blöd vor. Was ich mit einem kleinen, etwa 7 kg Hund schon anstrengend fand, kann mit mit einem Hund, der 20 kg und mehr auf die Waage bringt, nicht nur schmerzhaft für die/den Halter:in sein, sondern zu einem echten Problem werden, wenn der Mensch ins Straucheln kommt und fällt oder er den Hund nicht mehr halten kann und dieser davonläuft. 

Es ist daher wichtig, dass ein Hund lernt, nicht an der Leine zu ziehen. Je früher du mit dem Training anfängst desto besser. In diesem Artikel schauen wir uns die Hintergründe des Leineziehens an. Oft wird auf dieses Verhalten falsch reagiert, was die Sache nicht besser macht. Ich zeige dir verschiedene Dinge auf, die du tun kannst, wenn dein Hund an der Leine zieht. Eine spielerische Übung zur Verbesserung der Leinenführigkeit ist auch dabei.

Warum zieht der Hund an der Leine?

„Mein Hund zieht wie ein Bulldozer, warum macht er das?” Diese Frage wurde mir schon so oft gestellt. Sie ist allerdings nicht ganz leicht zu beantworten, denn Gründe für das Ziehen an der Leine gibt es viele. Doch schauen wir uns erst einmal an, warum es grundsätzlich so viele Schwierigkeiten mit der Leinenführigkeit gibt.

Das Gehen an einer ca. 2 bis 3 Meter langen leine, in einem langsamen Tempo, auf einem abgegrenzten Weg, einfach nur geradeaus und in eine Richtung, widerspricht der Natur des Hundes. Wenn Hunde könnten wie sie wollten, liefen sie erstens viel schneller als wir, zweitens nicht nur geradeaus auf einem Weg, sondern Kreuz und quer über Wiese, Feld und durchs Gebüsch. Sie blieben immer wieder stehen “kontrollierten” mit ihrer Nase die Botschaften, die andere Tiere, hinterlassen haben. Draußen gibt es für unsere Vierbeiner so viel spannendes zu entdecken…

Und dann kommt der Mensch mit der Leine. die den Hund massiv einschränkt, denn so kann er nicht mehr hin, wo er will und muss auch noch (aus seiner Sicht) so langsam gehen. Er nimmt etwas wahr, kann es aber nicht näher untersuchen… oder doch? er versucht, das Tempo zu erhöhen, und schon spüren wir am anderen Ende den Zug auf der Leine.

Hauptgründe, warum Hunde an der Leine ziehen

  • Sie haben ein bestimmtes Ziel, zu dem sie unbedingt hin möchten, sei es eine Schnüffelstelle oder der Hundekumpel, der schon im Park sehnsüchtig wartet.
  • Sie verspüren den Drang nach Bewegung, möchten einfach schneller laufen.
  • Reizüberflutung. Sie nehmen sehr vieles gleichzeitig wahr und möchten auch möglichst gleichzeitig alles erkunden. Das passiert häufig auch bei Hunden, die sehr reizarm aufgewachsen sind.
  • Angst und Unsicherheit Etwas bereitet den Hunden Unbehagen und sie möchten so schnell wie möglich weg (Fluchtverhalten).

Die Reaktion auf das ziehen an der Leine

Ohne Zweifel ist es sehr anstrengend bis schmerzhaft, wenn man mit einem Hund unterwegs ist, der einen Großteil der Gassistrecke ziehend zurücklegt. Da kann einem schon mal der Kragen platzen, und man möchte einfach nur das es aufhört. Häufig schimpfen die Menschen dann mit ihren Vierbeinern oder greifen zu drastischen Maßnahmen wie Leinenruck oder Blocken mit dem Körper. Zusätzlich gibt es auf dem Markt eine Reihe von Hilfsmitteln, die den schnellen Erfolg gegen das Ziehen versprechen, aber am Hund nichts zu suchen haben, da sie auf Schmerz und Erschrecken des Hundes abzielen.

Lass bitte die Finger von folgenden „Erziehungshilfsmitteln”

  • Stachel- oder Würgehalsbänder
  • Teletakt (Halsbänder, die Stromstöße verursachen)
  • Geschirre, die durch dünne Riemen schmerzen in den Achselhöhlen verursachen und so am Ziehen hindern sollen
  • Kopfhalfter (Halti oder ähnliches).

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Egal, aus welchem Grund dein Hund in diesem Moment gerade an der Leine zieht: Sein Erregungslevel ist erhöht, und es gilt nun, dass du deinem Hund dabei hilfst, etwas herunterzufahren. Bleibe zunächst einmal stehen und warte, bis sich dein Hund zu dir umorientiert. Sobald er das tut, bekommt der sein Markersignal und eine Belohnung. Starte dann ein Suchspiel mit deinem Hund, indem du einfach ein paar Leckerlis im Gras oder auf dem Weg verstreust. Geht gemeinsam weiter, wenn er fertig ist. Meist ist dann die erste Aufregung vorbei, und das Ziehen wird weniger.

Es kommt nicht darauf an, dass du mit deinem Hund eine große Wegstrecke zurücklegst. Wenn dein Hund zu den eher ängstlichen Kandidaten gehört, kann es hilfreich sein, dass du eine kleine Wegstrecke hin- und wieder zurückgehst und deinem Hund viel Zeit lässt, alles zu erkunden. Durch die. Wiederholung (gleicher Weg, gleiche Reize), gewinnt dein Hund an Sicherheit, wird ruhiger und das Ziehen weniger.

Leseempfehlung

Das kannst du tun, wenn dein Hund an der Leine zieht

Was machen wir in unserer heutigen Zeit, wenn wir nach Antworten auf eine drängende Frage suchen? – Wir begeben uns zu Google und füttern das Eingabefeld mit bestimmten Begriffen. Das Netz ist voll von Informationen und Ratschlägen, die Hilfe versprechen, wenn der Hund an der Leine zieht. Ich nehme nun die am häufigsten genannten beiden einmal unter die Lupe.

Bleib sofort stehen, wenn die Leine straff ist

Das klingt erst mal plausibel. Wenn der Hund zieht und der Mensch am anderen Ende stehen bleibt, wird ihm sein Ziehen nichts nützen. Er soll dadurch lernen, dass es ihm nichts bringt, zu ziehen. Der zweite Teil der Übung besteht dann aber darin, weiter zu gehen, sobald sich die Leine wieder lockert. Das Weitergehen ist dann die Belohnung für das Lockerlassen. In der Praxis kann sich daraus ein nervenaufreibendes Stop-and-go-Spiel entwickeln, bei dem der Hund meist das stärkere Durchhaltevermögen beweist. Damit diese Übung wirklich zum Erfolg führt, müsste man immer und damit meine ich wirklich immer stehen bleiben, sobald der Hund anfängt zu ziehen. Doch wer kann das schon? Stell dir nur mal vor, du überquerst mit deinem Hund eine viel befahrene Bundesstraße, und mitten auf der Straße fängt dein Hund an zu ziehen. Wenn du dort plötzlich stehen bleibst, kommt das nicht so gut…

Richtungswechsel 

Fast genauso häufig wird geraten, die Richtung zu wechseln, wenn der Hund zieht. Bei mir zumindest hat diese Übung besser funktioniert, als das Stehenbleiben. Vor allem habe ich beobachtet, wenn ich viele Richtungswechsel vorgenommen habe, dass mein Hund dann aufmerksamer wurde. Für den Moment zumindest war diese Übung für mich hilfreich. Ob sie dir hilft, kannst du nur durch Ausprobieren herausfinden. 

Es gibt noch sehr viele weitere Maßnahmen, die man probieren kann, wenn der Hund zieht. Einige davon sind sehr unfair, und deshalb werden sie hier auch nicht erwähnt. Was die beiden vorgenannten Wege und viele andere gemeinsam haben ist, dass aus meiner Sicht nur am Symptom herum gedoktert, nicht aber an die Ursache herangegangen wird. 

Fehler als Informationen

Wenn der Hund aus Sicht des Menschen Fehler macht (und das tut er, wenn er an der Leine zieht), sollten wir dies als Information auffassen. und uns die Umstände, unter denen er zieht, genauer ansehen. Fragen, die du dir in diesem Zusammenhang stellen kannst:

  • Zieht er an bestimmten Orten besonders stark (z. B. wenn ihr durch eine belebte Fußgängerzone geht)?
  • Wie ist seine Körpersprache in dem Moment (z. B. gibt es Stressanzeichen)?
  • Spielen bestimmte Umweltreize eine Rolle (z. B. andere Menschen, Tiere oder Geräusche, die der Hund wahrnimmt)?

Die gefunden Antworten geben dir Aufschluss darüber, woran du gezielt arbeiten solltest. Zieht dein Hund beispielsweise nur an belebten Plätzen an der Leine, hat er Stress, weil der die vielen Reize nicht verarbeiten kann, Ein kleinschrittiges Training an belebten Orten wäre in diesem Fall sinnvoll.

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Training der Leinenführigkeit

Ich bin der Ansicht, dass beim Ziehen an der Leine das Problem nur an der Wurzel gepackt werden kann, wenn man an der Leinenführigkeit arbeitet. Aber nimm dabei bitte den Gedanken: „Mein Hund soll nicht ziehen” aus deine Kopf. Formuliere stattdessen ein klares Ziel. Das kann in etwa so lauten:

Mein Hund soll neben mir an meiner linken Seite laufen, Die Leine soll dabei locker durchhängen. 

Konzentriere dich also bei deinem Training auf die lockere Leine. Immer wenn die Leine durchhängt und dein Hund sich in deiner gewünschten Position befindet, gibst du ihm sein Markersignal und eine hochwertige Belohnung. Füttere ihn ganz bewusst nah bei dir an deiner Seite. Das ist der Ort der Belohnung, der für den Trainingserfolg eine erhebliche Bedeutung hat.

Übe zunächst an Orten mit wenig Ablenkung und steigere die Ablenkung langsam.

Ein Spiel zur Verbesserung der Leinenführigkeit

Hundetraining soll in erster Linie Spaß machen. Auch an der Leinenführigkeit können wir spielerisch arbeiten. Ich bin mir sicher, die folgende Übung wird dir und deinem Hund gefallen..

Du benötigst:

• Eine Schleppleine ca. 5 Meter lang,

• verschiedene Belohnungen unterschiedlicher Wertigkeit (Futter, Lieblingsspielzeug, Umweltbelohnungen),

• eine ablenkungsarme Umgebung für die ersten Übungseinheiten (Wohnung oder Garten),

• einen Clicker oder ein Markerwort.

Die Übung

Stelle dir einen großen Kreis um dich herum vor, der an deinen Füßen festgewachsen ist und mit dir mitgeht. Bewegt sich dein Hund innerhalb dieser Fläche, markerst du dies und belohnst sein Verhalten.

Frau mit Hund an der Leine

Denke dir unterschiedliche Dinge aus. Motiviere deinen Hund z. B., mit dir zu kommen. Befindet sich dein Hund etwa auf gleicher Höhe mit dir, gibst du das Markersignal und eine Belohnung. Du kannst auch ein Futterstück hinter dich werfen. Dein Hund darf es sich selbstverständlich holen. Ist er danach wieder mit dir auf gleicher Höhe, gibst du ihm erneut sein Markersignal und eine Belohnung. Lass deinen Hund auch mal nach vorn laufen. Belohne die nachfolgenden Aktionen deines Hundes unterschiedlich. Beispiel: Für das Umdrehen zu dir gibt es ein Stück Trockenfutter. Für das Zurückkommen gibt es ein Stück Würstchen.

Variiere bei allen Übungen dieser Aufgabe mit den Belohnungen. So bleibt dein Hund mit Begeisterung dabei, da er ja nie weiß, was als nächstes kommt.

Für Fortgeschrittene

Jetzt kannst du den Schwierigkeitsgrad und auch die Ablenkung in kleinen Schritten steigern. Dazu verkleinerst du deinen imaginären Kreis und grenzt den Radius deines Hundes Schritt für Schritt immer weiter ein.

Schlusswort

Aus meiner Sicht liegt der Hauptgrund für das Ziehen an der Leine darin, dass nicht oder nicht ausreichend das Gehen an lockerer Leine geübt wurde. Wenn der Hund schrittweise lernt, an verschiedenen Orten unter unterschiedlichsten Ablenkungen an lockerer Leine zu gehen, hat sich das Ziehen in den meisten Fällen fast von selbst erledigt. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Schreibe in die Kommentare: Hast oder hattest du mit deinem Hund das Problem „Leineziehen”? Wie bist du es angegangen und hast du es lösen können?

Bitte Beachte: Das Kommentarfeld ist in erster Linie zur Diskussion Rund um den Blogartikel gedacht. Individuelle Fragen, die deinen Hund betreffen, können hier nicht beantwortet werden. Wenn du Hilfe im Alltag oder bei Problemen mit deinem Hund brauchst, nimmt bitte Kontakt mit mir auf.

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