knurren

Knurren ausdrücklich erwünscht

Mein Hund Bobby ist fremden Menschen gegenüber äußerst misstrauisch. Kommt ihm jemand unbekanntes zu nahe oder versucht gar (gegen meine ausdrückliche Anweisung) ihn anzufassen, kann es durchaus passieren, dass Bobby knurrt. Nicht nur einmal wurde ich gefragt, warum ich das nicht unterbinde. Ein Hund darf doch niemanden einfach so anknurren.

… und ob er das darf!

Und weißt du was? Ich habe mich sogar gefreut, als ich das erste Mal ein Knurren aus Bobbys Kehle vernommen habe. Warum das so ist, wirst du verstehen, wenn du diesen Artikel gelesen hast. Außerdem erfährst du, was knurren bedeutet, warum du es auf keinen Fall verbieten oder bestrafen solltest und was du tun kannst, wenn dein Hund knurrt.

knurrenWarum Knurren Hunde?

Ein Hund, der einen Menschen oder einen anderen Hund anknurrt, zeigt schlechtes Benehmen. Diese Aussage hält sich hartnäckig. Doch sie ist genauso falsch wie unlogisch. Nicht selten wird dann auch noch die Fähigkeit des Halters angezweifelt, der ja seinen Vierbeiner nicht erziehen könne.

Doch warum knurren Hunde wirklich?

Hunde verfügen über ein breites Spektrum der Kommunikation. Sie teilen sich über Gestik und Mimik, aber auch über Lautgebung mit. Das Knurren ist eine dieser vielen Ausdrucksformen.

Knurrt ein Hund, sollte das auf jeden Fall immer ernst genommen werden. Tritt dieses tiefe grollende Geräusch auf, während ein Mensch sich mit dem Vierbeiner beschäftigt oder sich ihm nähert, sollte der Mensch sein derzeitiges Verhalten sofort einstellen. Knurren ist eine Warnung. „Bis hierher und nicht weiter.“ „Hör auf damit! “ oder „Geh weg sonst greife ich an!“

Ein Hund, der knurrt, möchte den Auslöser auf Distanz haben. Er bringt auf diese Weise deutlich zum Ausdruck, dass er sich in der Situation, in der sich gerade befindet, nicht wohl fühlt.

Warum du Knurren niemals verbieten solltest

Wir Menschen machen uns bemerkbar, wenn uns etwas stört oder wir etwas nicht wollen. Soll unseren Hunden das verwehrt bleiben?
Ich finde, auch ein Hund hat das Recht zu „sagen“, wenn er etwas nicht möchte. In der Regel tut er dies zunächst mit körpersprachlichen Signalen. Wenn diese jedoch vom Menschen absichtlich oder aus Unwissenheit nicht beachtet werden, wird der Vierbeiner deutlicher, um nicht zu sagen sehr deutlich. Ein tiefes langgezogenes Knurren bemerkt wohl jeder. Wird auf die Warnung des Hundes noch immer nicht reagiert, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Angriff.

Bestraft der Halter nun das Knurren, lernt der Hund, dass es Ärger gibt, wenn er sich äußert und seine Warnung kundtut. Die Konsequenz dessen könnte sein, dass der Hund künftig in einer ähnlichen Situation sofort schnappt. Ist es erst einmal soweit gekommen, und hat sich ein derartiges Verhalten erst einmal gefestigt, ist es sehr langwierig und unter Umständen schwierig, dem mit Training entgegenzuwirken.

Was kannst du tun, wenn dein Hund knurrt?

Nehmen wir an, beim Gassigehen begegnet euch ein anderes Mensch-Hund-Team. Dein Hund sieht den anderen Vierbeiner und wenig später beginnt er, diesen anzuknurren. Schimpfen ist in dieser Situation nicht angebracht und führt auch zu nichts. Du solltest statt dessen

  • erst einmal Ruhe bewahren.
  • deinen Hund aus der Situation nehmen.
  • deinem Hund beibringen, mit dem Auslöser anders umzugehen.

Mit dem Knurren fordert der Hund Abstand. Du kommst dem nach, indem du dich gemeinsam mit ihm vom Auslöser entfernst. Damit schaffst du schon mal eine gute Basis, denn dein Hund lernt auf diese Weise, dass du seine Warnung verstanden hast und ihn ernst nimmst. Er kann dir also vertrauen.

Nun kannst du damit beginnen, gezielt am Auslöser zu trainieren. Hat dein Hund ein Problem mit anderen Hunden oder Menschen, dann arbeite in kleinen Schritten daran. Ziel des Trainings sollte sein, dass dein Hund den Auslöser irgendwann akzeptiert und ein Alternativverhalten zeigt. Es bedeutet nicht, dass dein Hund von nun an andere Hunde oder fremde Menschen toll finden muss. Aber er weiß, damit umzugehen.

Bobby – ein Hund „lernt“ zu knurren

Als Bobby vor gut drei Jahren zu uns kam, hatten wir einige Baustellen, an denen es zu arbeiten galt. Den größten Teil seines Lebens auf der Straße verbracht, wusste dieser Hund mit Sicherheit, wie Angriff funktioniert.

Bei uns zuhause passierte vor allem in den ersten Wochen immer wieder folgendes. Bobby suchte den Kontakt zu uns und ließ sich auch streicheln. Doch wie aus dem Nichts kippte seine Stimmung und er schnappte in die Hand.

Draußen ein ähnliches Problem. Kam uns ein Mensch mit einem angeleinten Hund entgegen, rastete Bobby aus und sprang in seine eigene Leine.

Ich war mir sicher: Bobby hat in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass körpersprachliche Signale und knurren ihm nichts bringen und er zumindest schnappen muss, um „gehört“ zu werden.

Doch wie konnten wir Bobby helfen?

Zunächst war uns wichtig, dass unser Hund ein gutes Lebensgefühl bekam. Er sollte verstehen, dass er bei uns sicher ist, dass er keine Strafen zu befürchten hatte und dass er es auch ausdrücken darf, wenn ihm etwas unangenehm ist. Unseren Alltag mit ihn richteten wir so aus, dass er viele kleine Erfolgserlebnisse hatte.

Langsam gewann unser Hund an Selbstvertrauen, und auch wir lernten ihn mit der Zeit besser einzuschätzen. Wir übten nach wie vor das Streicheln, aber ich merkte meistens rechtzeitig, wenn es Bobby zu viel wurde und ging bereits auf Abstand, bevor seine Stimmung kippen konnte.

Irgendwann war es dann da, das erste Knurren, das ich von ihm vernahm. Ich war so stolz auf meinen Hund! Doch alles in allem war das ein langwieriger Prozess, der sich jedoch gelohnt hat. Bobby knurrt, um auszudrücken, wenn ihm etwas nicht passt oder er einfach seine Ruhe haben möchte. Das Schnappen gehört seit einiger zeit der Vergangenheit an.

Da war doch noch was…

Wenn du jetzt vor deinem Bildschirm sitzt und dir durch den Kopf geht, dass Hunde nicht nur in für sie schwierigen Situationen knurren, gebe ich dir Recht. Wie oft ist knurren zu hören, wenn Hunde miteinander spielen. Unsere Hündin Rica liebt es, mit Herrchen oder Frauchen Zerrspiele zu machen. Dabei wird reichlich geknurrt.
Doch dieser Ausdruck im Spiel klingt anders als das Warnen. Die Tonlage ist um einiges höher und klingt weniger bedrohlich.

Schlusswort

Ein Hund, der knurrt, ist weder schlecht erzogen noch benimmt er sich daneben. Vielmehr kommuniziert er. Ihn nervt etwa gehörig, und das tut er kund.
Auf keinen Fall solltest du deinen Hund bestrafen oder ihm das Knurren verbieten. Dies wäre damit vergleichbar, einem Menschen in bestimmten Situationen das Sprechen zu untersagen.

In welchen Situationen knurrt dein Hund und wie gehst du damit um? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

4 Kommentare zu „Knurren ausdrücklich erwünscht“

  1. Ein wirklich gelungener Artikel. Ich kann dir nur zustimmen!
    Ich merke selbst bei mir, als jemand, der mit Hunden aufgewachsen ist, dass ich innerlich erst einmal negativ auf das Knurren eines Hundes reagiere, weil mir das als Kind eben auch so anerzogen wurde. „Ein Hund, der knurrt, ist schlecht erzogen“. Nun weiß ich es längst besser und doch löst ein Knurren von Hunden bei mir erst einmal eine anderes Gefühl aus, als es sollte. Aber ich arbeite dran 😉

    Viele Grüße von uns!

  2. Ja, die Hundesprache will erst einmal gelernt sein. Gut, das mal wieder ins Bewusstsein zu rufen. Toll ist, wenn du siehst, der Hunde hat verstanden, dass du ihn verstehst. Dann kommuniziert er viel mehr und bewusster mit dir durch ändern der Tonlage und Blick.

  3. Hallo, ich hab dazu eine Frage. Mein Rüde 4j. Braucht keinen Kontakt zu anderen Hunden. Das heißt er mag aufdringliche Hunde nicht. Kurz schnuppern und danach zwei Stunden ignorierend nebeneinander her laufen mag Er. Nun ist es leider schon zum dritten mal zu einem Kampf gekommen. Und das was ich wahrgenommen hab war, dass Diesel knurrt wenn er keine lust auf die Rüden hat. Als Reaktion sind die ihm an die Kehle gegangen. Alle drei male. Anfangs hab ich mir das mit dem bösen Köter einreden lassen. Bis mir die Rüden noch mal begegnet sind und Diesel Sie immer im hohen Bogen umlaufen hat. Bei dem letzten Kampf man sogar Diesels beschwichtigungs versuche sehr deutlich, was dem Rüden egal war. Zur Frage, warum reagieren so viele Rüden schnell so extrem auf Diesels Knurren?

    Liebe Grüße Franzi und Diesel

    1. Hallo Franzi, 

      deine Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten, weil hier sehr viele Faktoren eine Rolle spielen können. Bevor ein Hund knurrt oder es gar zu einer Auseinandersetzung kommt, gehen in der Regel eine Reihe körpersprachlicher Signale voraus, die man genau beobachten muss – und zwar bei allen beteiligten Hunden. 

      Wenn ich dir einen Rat geben darf: Versuche möglichst zu verhindern, dass Diesel in Raufereien verwickelt wird. Jede Erfahrung dieser Art hinterlässt Spuren. Wenn dein Hund keinen Kontakt zu anderen Hunden will, muss das nnich sein. Wenn er wieder knurrt, bringe ihn aus der Situation, indem du ihn zu dir rufst. Bitte den Halter des anderen Hundes, dies ebenfalls zu tun. 

      Mein Bobby hat es auch nicht so mit anderen Hunden und hat vor allem Rüden lieber auf Abstand. Ich verbiete ihm den Konrakt zu anderen Hunden nicht, beobachte die Begegnung aber sehr genau. Wenn ich z.B. sehe, dass sich Bobbys Fell streubt, rufe ich ihn zu mir heran, und wir gehen weiter. Denn als nächstes würde sehr wahrscheinlich Knurren und dann Schnappen kommen. 

      Ich hoffe, ich konnte dir dennoch ein wenig weiterhelfen. 

      LG Bettina mit Rica und Bobby 

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