Wenn sich das Verhalten des Hundes plötzlich ändert
August 13, 2020
Bettina

Unser Bobby ist ein Hund, den man durchaus in die Kategorie "schwierig" oder "verhaltensspeziell" einordnen kann. Als ehemaliger Straßenhund kam er Ende 2014 aus Rumänien nach Deutschland und Anfang 2015 zu uns. Ich habe hier auf dem Blog des Öfteren von unserer Anfangszeit berichtet, davon dass er extreme Berührungsängste hatte und sich auch heute von fremden Menschen noch immer nicht anfassen lässt. Mit einem liebevollen Umgang und intensivem Training über positive Verstärkung haben wir vieles in den Griff bekommen. Das Schnappen gehörte für mehrere Jahre der Vergangenheit an. 

Doch dann kam der 17. Juli 2020. Eigentlich ein Tag wie jeder andere, bis schon am frühen Vormittag in meinem Büro das Telefon klingelte. Mein Mann war dran. Am Klang seiner Stimme erkannte ich sofort, dass etwas passiert sein musste. Er berichtete, dass Bobby ihm in die Hand geschnappt hat, als er ihn anleinen wollte. Die Verletzung, die Bobby meinem Mann damit eigebracht hat, war nicht ganz ohne.

Ich dachte zunächst, das kann doch nicht wahr sein. Du träumst gerade einen ganz blöden Traum. Gleich klingelt der Wecker, und dann ist der ganze Spuk vorbei. Doch es klingelte kein Wecker, und es kam auch niemand, um mir in den Oberarm zu kneifen oder mich durchzuschütteln. Das, was ich da gerade hörte, war die schonungslose Realität, und sie gab mir Rätsel auf. 

Wie ich bereits erwähnte, war Bobby schon immer extrem erührungsängstlich. Es dauerte sehr lange, bis er zu meinem Mann Vertrauen fasste. Doch das Einhaken der Leine in das Halsband oder Geschirr hatte nie Probleme bereitet, selbst in der schwierigen Anfangsphase nicht.

Wenn sich das Verhalten des Hundes plötzlich ändert

Als ich zuhause war, stellte ich viele Fragen. Es musste sich angefühlt haben wie ein Verhör, aber es ging nicht anders. Schließlich war ich nicht dabei, und um Lösungen zu finden, musste ich mir ein Bild von der Situation machen können. Mich interessierte an diesem Tag vor allem eins: Würde Bobby auch bei mir schnappen, wenn ich ihn anleinen möchte? Ich nahm Geschirr und Leine und gab unser Signal zum Spaziergang. Rica und Bobby kamen wie gewohnt an. Bobby ließ sich von mir problemlos das Geschirr anziehen und die Leine daran befestigen. Unserer Gassirunde stand somit nichts im Weg. 

Am nächsten Morgen wollte ich Bobby wieder das Geschirr anziehen. Doch diesmal wandte er den Kopf ab, als er das Geschirr sah. Selbst das angebotene Futter konnte mein sonst über alle Maßen gefräßiger Hund nicht annehmen. Es kostete mich einige "Überredungskunst".  Doch schließlich half mir - mal wieder - unser Markersignal. Bobby begann sich zu entspannen, und wir konnten schließlich los. 

Wenn Hunde älter werden

In diesem Jahr sind mir bereits einige Veränderungen an Bobby aufgefallen. Im Winter wollte er im Dunkeln nicht mehr Gassi gehen. Seit einigen Wochen mochte er oft schon mittags nicht mit. Meistens war das der Fall, wenn es regnete oder zuvor geregnet hatte.

Beim Abtasten seines Körpers ist mir aufgefallen, dass sich seine Wirbelsäule verändert. Außerdem hat er ein größeres Ruhebedürfnis als früher. Das Obergeschoss unseres Hauses betritt er schon seit einiger Zeit nicht mehr. Bei längeren Spaziergängen braucht er öfter eine Pause.

Alles in allem war das Grund genug, Bobby von einem Tierarzt gründlich checken zu lassen.

Verhaltensänderung - auf der Suche nach der Ursache

Jedes Lebewesen macht im Lauf seiner Existenz viele Entwicklungsphasen durch, die oftmals mit bestimmten Verhaltensweisen einhergehen. Denken wir beispielsweise an die Pubertät. Auch das zunehmende Alter kann Auswirkungen auf das Verhalten haben. Auch Hunde können z. B. an Demenz erkranken. Wenn jedoch plötzlich gravierende Veränderungen wie etwa starke Angst oder aggressives Verhalten auftreten, sollten wir Handeln, denn letztendlich können wir dies als Hilferuf des Vierbeiners werten. 

Ursache Erkrankungen

 Über meinen Blog bekomme ich häufiger Anfragen von Hundehalter*innen, deren Vierbeiner ein auffälliges Verhalten zeigt. Häufig wird nach Trainingsmöglichkeiten gefragt. Was sehr oft jedoch nicht bedacht wird ist, dass Verhaltensauffälligkeiten auch ihre Ursache im medizinischen Bereich haben können. Insbesondere bei plötzlich auftretendem aggressiven Verhalten oder Angst können Schmerzen, hormonelle Veränderungen oder auch Tumorerkrankungen ein Auslöser sein. Deshalb empfehle ich allen Hundehalter*innen, immer zuerst einen Tierarzt aufzusuchen und den Hund gründlich untersuchen zu lassen. Liegen keine gesundheitlichen Störungen vor, kann man diesen Punkt bei der Ursachenforschung schon einmal ausschließen, weitere Überlegungen anstellen und sich schließlich Gedanken um Training und andere Maßnahmen machen. 

Ursache Fehlverknüpfungen

Wenn ein Hund in einer alltäglichen und normalerweise nicht bedrohlichen Situation plötzlich mit Angst oder Aggression reagiert, dann kann eine Fehlerknüpfung nicht ausgeschlossen werden. Doch was genau ist damit gemeint? Es ist - kurz ausgedrückt, eine Verkettung ungünstiger Umstände.

Nehmen wir ruhig einmal Bobbys Beispiel. Er könnte in der besagten Situation einen Schreck bekommen haben, dessen Auslöser gar nichts mit dem Anleinen zu tun hatte. Oder er könnte exakt in dem Moment irgendwo einen Schmerz empfunden haben und diesen mit dem Anleinen bzw. meinem Mann in Verbindung gebracht haben. Im Hundehirn wird dann folgendes abgespeichert: "Jetzt kommt der Typ mit der Leine. Jetzt wird's ungemütlich. Ich muss mich wehren."

Wie geht es weiter mit Bobby? 

Gleich am nächsten Werktag nach dem Vorfall habe ich für Bobby einen Gesundheitscheck bei unserer Tierärztin vereinbart, da ich eine konkrete Vermutung hatte. Die Untersuchung fand am letzten Dienstag statt. Meine Vermutung sollte sich bewahrheiten: Bobby hat Spondylose. Was genau das ist, wie wir damit umgehen und nun unseren Alltag gestalten, verrate ich dir im nächsten Artikel.  

Schlusswort 

Ich bin so froh, dass wir mit Bobby bislang keine Trainingsversuche unternommen haben, sondern erst die medizinische Seite abgeklärt haben. So weiß ich, das Bobby Schmerzen hat, dass es gute und schlechte Tage gibt und dass wir dies bei unseren Unternehmungen mit ihm berücksichtigen müssen. 

Meine Erfahrung mit Bobby bekräftigt mich in meinem Standpunkt, bei plötzlichen Verhaltensänderungen immer zuerst einen Tierarzt aufzusuchen und abklären zu lassen, ob die Ursache im gesundheitlichen Bereich zu finden sein kann. Bei Bobby kommen beide, in diesem Artikel beschriebenen Ursachen in Betracht. Die Schmerzen durch die Spondylose und eine mögliche Fehlverknüpfung. Meine Aufgabe ist es jetzt, mir Gedanken zu machen, wie sich Bobby und mein Mann  - langsam und ohne Angst auf beiden Seiten - wieder annähern können.

Hast du schon einmal eine ähnliche Situation erlebt wie ich momentan? Hat sich das Verhalten deines Hundes geändert, und du wusstest zunächst nicht warum? Hat eine tierärztliche Untersuchung stattgefunden und Licht ins Dunkel gebracht? Erzähle mir gern davon in einem Kommentar.

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