Im Herbst letzten Jahres habe ich die Facebook-Gruppe Blutarmut beim Hund – Hilfe für Betroffene ins Leben gerufen. Seit dem Tag der Gründung zählt diese Gruppe über 30 Mitglieder. Unter normalen Umständen ist es erfreulich, wenn es Interessenten für eine Gruppe gibt und die Mitgliederzahl steigt. Doch hier ist das anders. Es macht mich nachdenklich, denn wir sprechen hier von einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Jede Beitrittsanfrage bedeutet, dass es schon wieder einen Hund getroffen hat.

Eine schwere Erkrankung des geliebten Vierbeiners bedeutet eine große psychische Belastung für den Tierhalter. Die Sorge um das Leben des Vierbeiners, die ständigen Tierarztbesuche, die Ungewissheit und eventuell finanzielle Nöte im Zusammenhang mit der Erkrankung können einen schon zur Verzweiflung bringen. In meinem heutigen Blogartikel möchte ich dir daher einige Tipps geben, die dir das Leben mit einem schwer kranken Hund ein wenig erleichtern sollen.

ErkrankungLebe im Hier und Jetzt

Als wir Rica nach ihrem Zusammenbruch vor dreieinhalb Jahren wieder aus der Tierklinik abgeholt hatten, war ich erstmal froh, dass sie überlebt hatte. Sie war von der Krankheit sichtlich gezeichnet und nicht mehr der Hund, den wir mal hatten. Sie so zu sehen, machte mich einerseits unendlich traurig, andererseits freute ich mich, dass sie da war. Wir waren zu diesem Zeitpunkt in einer absoluten Ungewissheit, was ihr weiteres Leben betraf. Im Bewusstsein, dass jeder Tag Ricas letzter Tag hätte sein können, genossen wir jede Minute mit ihr. Wir richteten unseren Alltag nach ihren Bedürfnissen aus, hielten die Spaziergänge kurz und ließen ihr die Ruhe, die sie brauchte.

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, war sie nicht nur negativ. Das mag im ersten Moment absurd klingen. Aber ich habe in den Wochen nach Ricas Zusammenbruch bewusster gelebt, sie bewusster wahrgenommen und mich intensiv um sie gekümmert.

All das möchte ich dir auch empfehlen. Nimm jeden gemeinsamen Moment mit deinem Hund bewusst wahr. Unternehmt etwas Schönes, soweit es der Gesundheitszustand deines Hundes zulässt. Sei für deinen Hund da, denn er braucht jetzt mehr denn je ein Herrchen oder Frauchen, auf das er sich Verlassen kann.

Lasse Gefühle zu

Dir geht es schlecht in dieser Situation, was nur allzu verständlich ist. Du könntest heulen, schreien, auf den Boden stampfen, laut Heavy Metal hören oder was auch immer. Tu es einfach! Damit lässt du Dampf ab, und es wird dir zumindest vorübergehend besser gehen.

Dein Hund ist schwer krank. Das ist wahrhaftig kein Grund zur Freude. Trauer, Wut und Verzweiflung zu verdrängen ist nicht der richtige Weg. Du musst jetzt nicht im Alltag funktionieren, nur weil andere das vielleicht von dir erwarten. Dir darf es schlecht gehen!

Schreibe Tagebuch

Es ist sehr hilfreich, Dinge aufzuschreiben, die einem im Kopf, herumgeistern. Als Rica so krank war, habe ich ein “Hundekrankentagebuch” in Evernote geführt. Hier habe ich nicht nur Ricas Krankheitsverlauf notiert, sondern auch festgehalten, wie es mir damit ging. Dieses Tagebuch zu führen, war für mich sehr wichtig. Es half mir, meine Gedanken zu ordnen. Heute ist es eine Gedächtnisstütze, wenn ich bestimmte Einzelheiten nochmal  durchgehen möchte oder andere Betroffene mir Fragen stellen.

Tagebuch schreiben ist in einer schwierigen Lebenssituationen sehr empfehlenswert. Probiere es einfach aus. Ob klassisch mit Papier und Stift oder mit einer App auf dem Smartphone, bleibt natürlich dir überlassen.

Tausche dich mit anderen Betroffenen aus

Du machst dir große Sorgen um deinen Hund, doch aus deinem Freundes- und Kollegenkreis kommt wenig Verständnis. Sprüche wie “Es ist doch nur ein Hund. Du kannst dir doch wieder einen neuen holen”, sind wirklich das Letzte, was du jetzt gebrauchen kannst. Suche dir Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind oder waren.

Begib dich ins Internet und suche bei Google nach der Erkrankung deines Hundes. Auf diese Weise haben auch viele Hundehalter mich gefunden. Mein Artikel über die autoimmunhämolytische Anämie ist der am meisten kommentierte Beitrag auf meinem Blog. Das hat mich schließlich dazu veranlasst, die eingangs erwähnte Facebook-Gruppe zu gründen.

In der Gruppe tauschen wir uns aus. Jeder ist erleichtert, dass er mit seiner Situation nicht allein ist. Ich mache den anderen Mut, denn Rica hat die Krankheit überlebt und erfreut sich bester Gesundheit.

Doch auch für Trauer ist bei uns Platz. In dieser kurzen Zeit, in der die Gruppe besteht, sind leider einige Hunde verstorben. Die Anämie ist eine teuflische Krankheit! Da gibt es auch nichts schön zu reden.

Gruppen auf Facebook oder auch Foren gibt es mittlerweile zu vielen Erkrankungen. Dort wirst du auf Leute treffen, die Verständnis für dich haben.

Bleibe aktiv

Aktivität und Bewegung baut Stress ab. Frische Luft ist eh gesund. Wenn dein Hund einen guten Tag hat, spricht nichts gegen einen längeren Spaziergang. Doch auch wenn dein Hund nicht so fit ist und nicht mit kann, solltest du dich hin und wieder draußen bewegen.

Trotz schwerer Krankheit waren wir regelmäßig draußen

Mir hilft da Fahrradfahren. Einfach mal aufs Rad schwingen und ab in die Pampa. Wo wenig Verkehr ist kann man auch mal richtig schnell fahren. Das wiederum baut Stress ab und gibt neue Kraft.

Den gleichen Effekt erzielst du mit Laufen oder schnellem Gehen, wenn du nicht der Typ bist, der gern Fahrrad fährt.

Tierkommunikation

Unter Tierkommunikation versteht man, eine telepathische Verbindung zu einem Tier herzustellen und auf der gedanklichen Ebene mit ihm zu kommunizieren. Ein solches Tiergespräch kann durchaus Aufschluss über die Erkrankung und ihren weiteren Verlauf bringen. Voraussetzung ist jedoch, dass du für das Thema zugänglich bist.

Einige Wochen, nachdem Rica zusammengebrochen war, bot sich mir die Gelegenheit, an einem Seminar zur Tierkommunikation teilzunehmen. An diesem Tag führte eine andere Seminarteilnehmerin mit Rica ein Gespräch. Kurz zusammengefasst kam dabei heraus, dass Rica die Krankheit überstanden hatte, und dass nun alles gut werden würde. Mein Bauchgefühl sagte mir damals schon, dass das stimmte, und so war es letztendlich auch.

Wenn du zu dem Schluss kommst, dass eine Tierkommunikation dir helfen könnte, empfehle ich dir, das Gespräch nicht selbst zu führen. Du bist in dieser Situation zu sehr vorbelastet. Vielleicht kennst du jemanden, der sehr viel Erfahrung mit der Tierkommunikation hat oder du wendest dich an eine Tierkommunikatorin.

Schlusswort

Ich wünsche dir von Herzen, dass dein Hund gesund bleibt und dass er alt wird, ohne dass ihn eine schwere Krankheit trifft. Doch leider kommt es viel zu oft anders. Meine Rica hat es im Alter von vier Jahren mit der Blutarmut erwischt. In diesem Jahr feiern wir ihren achten Geburtstag, Rica ist Lebensfreude pur. Das soll auch noch lange so bleiben.

Wenn du gerade einen kranken Hund hast, hoffe ich, dass ich dir mit meinen Tipps deine Situation ein wenig erleichtern konnte.

Hast du Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Hast oder hattest du selbst mal einen schwer kranken Hund. Berichte mir gern von deinen Erfahrungen in einem Kommentar.

Hinweis:

Nachfolgend hast du die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. Die Kommentarfunktion ist in erster Linie zu Anmerkungen rund um den Blogartikel gedacht. Wenn du Fragen hast, die das Zusammenleben mit deinem Hund betreffen, nutze bitte das Kontaktformular oder buche einen kostenlosen Gesprächstermin direkt in meinem Kalender.

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  1. Ein sehr bewegender Beitrag und ich kann Deinen Tipp mit dem Schreiben eines Tagebuchs nur unterstreichen. Unsere Laika war schon als Welpe recht krank und es dauerte ein gutes Jahr bis wir wirklich sicher waren, dass sie älter wird. In dieser Zeit habe ich sehr intensiv Tagebuch geführt und es hat mir oft geholfen.

    Auch als Laika dann die Vergiftung hatte – die sie nicht überlebte – war es für mich eine wirkliche Hilfe … denn so sind mir nicht nur die Probleme und schlechten Dinge ihrer zwei letzten Lebenswochen in Erinnerung sondern auch die kleinen glücklichen Momente.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  2. Liebe Bettina,

    danke für deine tröstenden Worte. Unser Goldie bekam gestern die Diagnose, 2 bösartige Tumore sowie Spondylose, Arthrose (dieses können wir mit Schmerzmitteln und Physio lindern) zu haben. Max. 3-6 Monate darf er noch bei uns bleiben. Uns ist es sehr wichtig, dass er noch gute Zeiten bei uns hat, aber wir wollen ihn auch in Frieden gehen lassen, wenn er es will. Leider bin ich gerade so aufgewühlt, dass ich keine Tierkommunikation herstellen kann. Ich empfange einfach nicht, was er sich wünscht.

    Hast du eine Idee, wie es doch noch klappen könnte? Ich kenne keinen, der Tierkommunikation macht. Über Internet bin ich noch nicht weitergekommen.

    Nochmals vielen Dank und ganz liebe Grüße – für euch alles GUTE,
    Karin

    1. Hallo Karin,
      es tut mir leid, dass euer Hund so schwer krank ist. Was die Tierkommunikation betrifft: Hast du von mir diesen Artikel schon gelesen? Ich habe mit Bobby ein Tiergespräch machen lassen. Ich kann dir das sehr empfehlen, obwohl es bei einem so kranken Hund wahrscheinlich schwieriger ist. Ich wünsche euch alles Gute und noch eine schöne gemeinsame Zeit.
      Liebe Grüße
      Bettina

  3. Hallo,
    ich habe eine Chihuahua Hündin. Sie hat im letzten Jahr ein Auge durch eine Katze verloren. Ich habe weiß nicht wie ich das überstanden habe. Ich lebe alleine mit ihr, ich habe niemanden außer sie. Und nun der Schock, jetzt wird sie ihr 2.tes übriges Auge auch verlieren. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen. Ich würde ihr das alles so gerne abnehmen und vor allem den Schmerz. Es bricht mir mein Herz und ich habe das Gefühl das ich keine Luft bekomme. Ich sterbe innerlich weil ich sie so leiden sehe. Ich weiß sie wird Gott sei Dank nicht sterben aber das was sie durchmachen muss bricht mir mein Herz und tut einfach in der Seele so grausam weh!

    1. Hallo Aldina,
      ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Wenn der Hund leidet, leiden wir mit. Aber deine Hündin braucht dich jetzt umso mehr. Versuche stark zu sein für sie.

      Ich wünsche dir alles Gute 🤗

  4. Am 17.5.haben wir bei unserem geliebten Hund im CT die Nachricht erhalten, dass er aufgrund seines sehr aggressiven Tumors im Oberkiefer nur noch 4 Monate zu leben hat. Ich werde alles versuchen, dass er noch ein schönes Leben hat und nicht leiden muss.
    Er frisst und trinkt noch mit Appetit, ich spritze ihm 3x die Woche Tarantula cubensis D6, an Medikamenten bekommt er Glutathion, CBD Hanföl, Antibiotikum, Schmerzmittel, Vitamin D und K und Artemisia Tabletten. Abends nach dem letzten Fressen schmiere ich seinen Tumor mit Dentisept ein. Ich kann leider sehen, dass seine Wange täglich immer dicker wird.
    Er schläft sehr viel und geht auch langsam kurz Gassi und macht sein Geschäft.
    Das alles nimmt mich total mit, trotz sehr guter Begleitung einer sehr guten Tierheilpraktikerin.
    Ich denke wegen der psychischen Belastung habe ich mir zu allem Übel auch noch eine Ischiasnerv Entzündung zugezogen und kann vor Schmerzen kaum noch laufen.
    Schlafen kann ich auch nicht mehr gut, bin morgens schon um 5 Uhr wach.
    Zwischendurch muss ich richtig weinen. Unsere Fellnase wird am 25.6. 14 Jahre und 4 Monate alt. Ich hatte ihn damals aus dem Tierheim geholt, da war er 4 1/2 Monate jung. Er ist unglaublich lieb und ich frage mich, warum es ihn so schlimm getroffen hat?
    Mir ist richtig schwer ums Herz! Auch wenn ich die letzte Zeit mit ihm noch genießen sollte, fällt mir alles unheimlich schwer….Er tut mir so unendlich leid!
    Traurige Grüße aus Bonn
    Birgitta Gebauer mit Mackó

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