Jeder Hundemensch wünscht sich, ohne viel Gedöns an anderen Hunden vorbeigehen zu kommen. Die Realität sieh jedoch oft ganz anders aus, und so manchem Frauchen oder Herrchen graut es vor der nächsten Gassirunde.
In meinem letzten Artikel habe ich mich mit 6 Fehlern beschäftigt, die Menschen häufig in Hundebegegnungen machen. In diesem Beitrag geht es um Wissen und um Trainingswerkzeuge, die dir dabei helfen, Hundebegegnungen möglichst entspannt zu meistern.
Setze dir ein klares Ziel
Trainiere nicht mit deinem Hund ins Blaue hinein und probiere auch nicht heute dies und morgen das. Lernen braucht Zeit und geschieht nicht, wenn man eine bestimmte Übung nur einmal macht. Wichtig ist, dass du dir Gedanken darüber machst, was du erreichen möchtest. Soll dein Hund an einem anderen Hund vorbeigehen und dabei ruhig sein? Soll dein Hund an die Seite gehen und dort ruhig sitzenbleiben, während der andere Mensch mit seinem Hund an euch vorbeigeht? Oder soll dein Hund den Anblick anderer Hunde überhaupt erst mal aushalten können, ohne vollkommen auszuflippen? Ein klares Ziel ist Voraussetzung für dein weiteres Training.
Den Hund lesen lernen
Das Ausdrucksverhalten des Hundes gibt Aufschluss darüber, wie sich dein Hund gerade fühlt und vor allem darüber, was als Nächstes kommt. Möchte er unbedingt zum anderen Hund hin? Oder möchte er lieber den anderen vertreiben? Lerne deinen Hund zu lesen. Eigne dir dazu Kenntnisse der hündischen Körpersprache an. Dazu gibt es viele gute Infos im Netz und auch einige sehr aufschlussreiche Bücher.
Um deinen eigenen Hund besser einschätzen zu lernen, beobachtest du ihn in vielen verschiedenen Situationen und dokumentierst seine Körpersprache.

Hundekontakte – aber richtig
Ich hatte es ja schon an anderer Stelle erwähnt. Der Grundsatz Viel hilft viel, ist im Umgang mit Hunden eher kontraproduktiv. So braucht ein Hund nicht unendlich viele Kontakte mit immer neuen Hunden. Viel sinnvoller ist regelmäßiger Kontakt mit Hunden, die sich untereinander verstehen. Gut durchgeführte Social Walks sind ein hilfreiches Tool um zu lernen, mit Hundebegegnungen besser klarzukommen.
Trainingswerkzeuge für Hundebegegnungen
Das Markersignal
Wenn du öfter bei mir liest, wirst du bemerken, dass ich immer wieder darauf zurückkomme: Das Markersignal ist für mich der Schlüssel zum Erfolg im Hundetraining. So setze ich es natürlich auch bei Hundebegegnungen ein. Mit dem Markersignal kannst du deinem Hund nicht nur schnell und präzise mitteilen, dass er etwas richtig gemacht hat, sondern es verändert auch die Emotionen ein Stück weit in die positive Richtung, da er es ja mit etwas Gutem verknüpft.
Click für Blick
Da ist schon die erste Übung, für die du das Markersignal brauchst. Es geht hier darum, dass dein Hund den Anblick eines anderen Hundes aushalten kann, ohne dass sein Erregungslevel gleich auf 250 hochfährt.
Der Aufbau erfolgt zunächst unter geringer Ablenkung. Die Ablenkung wird nach und nach gesteigert. Ich erkläre es dir ausführlich in einem eigenen Blogartikel Click für Blick
Handtouch
Eine sehr einfache Übung, aus der du im Alltag viel herausholen kannst, ist das Stupsen mit der Nase an die Handfläche des Menschen, auch Handtouch genannt. Ist die Übung erst einmal aufgebaut, kannst du sie wunderbar dafür einsetzen, um deinen Hund in einer Begegnung in eine von dir gewünschte Position zu leiten.

An die Seite gehen
Das Gehen an den linken oder rechten Wegesrand kannst du während des Spaziergangs ganz leicht trainieren. Dazu nimmst du dir ein Futterstück und lockst damit deinen Hund an den Wegesrand. Ist er dort angekommen, darf er es fressen. Klappt diese Übung schon gut und dein Hund hat schon fast von sich aus die Idee, an die Seite zu gehen, kannst du das Futter langsam abbauen. Klappt es auch ohne Futter, führst du das Wortsignal ein, indem du es gibst, während dein Hund an die Seite geht.
Baue die Übung für die linke und die rechte Seite getrennt voneinander auf.
Rückruf
Läuft dein Hund frei und kommt euch ein anderes Mensch-Hund-Team entgegen, bei dem der Hund an der Leine geführt wird, Sollte es selbstverständlich sein, dass du deinen Hund zu dir rufst. Dazu solltest du ein sicheres Rückrufsignal aufgebaut haben. In meinem Artikel 7 häufige Fehler beim Rückruf erkläre ich dir u. a. die ersten Schritte zum Aufbau eines Rückrufsignals.
Orientierung zu dir
Die Orientierung zum Menschen ist das A und O im Hundetraining. Wenn mein Hund sich nicht zu mir umorientieren kann, ist es auch nahezu unmöglich, mit ihm zu arbeiten. Ich bin ein Freund davon, die Orientierung durch Einfangen aufzubauen. Das bedeutet: Wenn der Hund sich ohnehin zu mir umorientiert, gibt es Markersignal und Belohnung. Umorientierung heißt icht, dass der Hund dir direkt in die Augen schauen muss. Es reicht schon eine leichte Drehung des Kopfes in deine Richtung.
Das 10-Leckerchen-Spiel
Das 10-Leckerchen-Spiel ist eine Übung, durch die die Aufmerksamkeit, die Konzentrationsfähigkeit und die Impulskontrolle deines Hundes gefördert wird. Du machst sie bitte nicht direkt in Hundebegegnungen, sondern übst an einem ruhigen Ort und steigerst die Ablenkung langsam.
Damit du starten kannst, gebe ich dir hier erst einmal eine Kurzanleitung. Ich habe mir aber vorgenommen, zum 10-Leckerchen-Spiel in naher Zukunft einen eigenen Blogartikel zu schreiben.
Du benötigst
- Eine Leckerlitasche, gefüllt mit Futter, das dein Hund gern mag
- Für die ersten Einheiten eine ablenkungsarme Umgebung
So wird’s gemacht
- Dein Hund ist bei dir. Es ist egal, ob er sitzt, steht oder liegt. Er sollte jedoch seine Aufmerksamkeit bei dir haben und bei Dingen am Boden oder in der Umgebung. Auch sollte er nicht unruhig umherspringen.
- Nun nimmst du mit einer Hand ein Leckerli aus der Tasche, zählst laut „1“ und legst das Leckerli in deine freie Hand. Konnte dein Hund diesen kurzen Moment aushalten, war ruhig und aufmerksam, gibst du dein Markersignal und wirfst das Leckerchen weg, damit er es sich holen kann. Er kommt zu dir zurück und das Spiel beginnt von vorn.
- Dein Hund ist bei dir, ist ruhig und aufmerksam. Jetzt nimmst du mit einer Hand ein Futterstück aus der Tasche, zählst laut „1“, legst das Leckerli in die freie Hand, nimmst ein weiteres Leckerli, zählst laut „2“ und legst dieses Leckerli ebenfalls in die freie Hand.
- Jetzt gibst du dein Markersignal und wirfst ein Futterstück weg, damit dein Hund es sich holt. Dein Hund kommt zu dir zurück. Du gibst wieder das Markersignal und wirfst jetzt das zweite Futterstück weg. Wenn dein Hund wieder bei dir ist, fängst du von vorn an und machst das Ganze mit 3 Futterstücken, danach mit 4, 5, 6 usw. bis ihr irgendwann bei 10 angekommen seid.
- Die Reihenfolge ist immer die Gleiche: Futterstücke nacheinander zählen, Markersignal, dem Hund ein Futterstück zuwerfen. Wenn er zurück ist, wieder Markersignal, das nächste Futterstück werfen usw.
Dieser langsame Aufbau ist nur nötig, wenn dein Hund das Spiel noch nicht kennt. Später, wenn du es einsetzt kannst du natürlich sofort mit 10 Futterstücken starten.
Was lernt dein Hund in Bezug auf Hundebegegnungen
Vor allem lernt er Impulskontrolle, und wenn das 10-Leckerchen-Spiel sorgfältig aufgebaut und an verschiedenen Orten geübt wurde, genügt allein schon das Zählen, um den konzentrierter und aufmerksamer werden zu lassen. Bitte bei Begegnungen mit anderen Hunden keine Leckerlis werfen, um den anderen Hund nicht aus dem Konzept zu bringen.
Schlusswort
Mit diesen Trainingswerkzeugen und einem klaren Ziel vor Augen, kannst du Hundebegegnungen entspannter und erfolgreicher meistern. Denke daran, dass Geduld und Durchhaltevermögen der Schlüssel zum Erfolg sind. Jeder Hund ist einzigartig, und es kann einige Zeit dauern, bis du die gewünschten Ergebnisse siehst.
Hast du eigene Erfahrungen oder Tipps, die du teilen möchtest? Oder hast du Fragen zu den vorgestellten Übungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar und lass uns gemeinsam darüber sprechen!
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